Biografie
1913–1989 · Künstler · Lehrer · Naturkundler
Udo Scholz wurde 1913 in Schönbrunn in Mähren geboren und wuchs in Oderfurt bei Mährisch-Ostrau auf. Nach einem mit Auszeichnung bestandenen Abitur begann er 1931 sein Studium in Prag — an der Deutschen Universität, der Technischen Hochschule und schließlich an der Akademie der Bildenden Künste. In seinem Wirken verband er auf einzigartige Weise Kunst und Geowissenschaft, als Maler und Zeichner ebenso wie als Geologe und Naturschützer.
Prager Jahre und Aussiedlung
Scholz studierte Geografie und Kunsterziehung und erwarb die Lehrbefähigung für Oberschulen. Von 1938 bis 1939 arbeitete er als Assistent bei Prof. Alois Rieber im Bereich Akt- und Figurenzeichnen. An der Akademie lernte er in der Meisterklasse von Prof. Heinrich Hönich, später übernahm er Aufgaben bei Prof. Fritz Lehmann an der Lehrkanzel für Architektur.
Schon während des Studiums führten ihn ausgedehnte Zeichenreisen durch den damals kaum touristisch erschlossenen Balkan. Dort entstanden Landschaftsstudien, Architekturskizzen von Kirchen und Moscheen und Figurenstudien.
1946 wurde Scholz aus der Tschechoslowakei ausgesiedelt und kam an die Oberrealschule Kempten — ein Umbruch, der seinem Leben eine neue Richtung gab, aber nichts an seiner Hingabe zu Kunst und Natur änderte.
Lehrer und Erwachsenenbildner
Dreißig Jahre lang, von 1946 bis 1976, unterrichtete Scholz am Allgäu-Gymnasium in Kempten Kunsterziehung und Erdkunde, im Nebenfach auch Technisch Zeichnen. Als Studiendirektor prägte er Generationen von Schülern. An verschiedenen schwäbischen Volkshochschulen, v. a. an der Volkshochschule Kempten und im Naturwissenschaftlichen Arbeitskreis der Volkshochschule gab er sein Wissen über Geologie, Mineralogie, Botanik und die Landschaftsgeschichte des Allgäus weiter.
Künstlerisches Schaffen
Zeitgenossen bestätigten es immer wieder: Scholz war ein rastloser Zeichner. Regelmäßig wanderte er mit der Mappe durch die Allgäuer Landschaft, und auch von Urlaubsreisen brachte er stets zahlreiche Arbeiten mit. Sein Werk lässt sich in drei Schwerpunkte gliedern:
Aquarelle — Vor allem Motive aus dem Allgäu: Landschaften des Alpenvorlandes und der Allgäuer Alpen, Flussläufe, Bäume, Städte, Dörfer, Bauernhäuser und Kirchen im Wandel der Jahreszeiten. Eine Ausstellung im Löhe-Haus in Kempten würdigte sie 1988 anlässlich seines 75. Geburtstags, nach seinem Tod folgte dort eine zweite. Im Nachruf heißt es: „Als er selbst schon nicht mehr sprechen konnte, sprachen seine Bilder umso deutlicher für ihn."
Landschaftszeichnungen — Bleistift- und Federzeichnungen von Landschaften, Bergen, Architektur und Figuren. Der Schweizerbart-Verlag nannte sie „stimmungsvolle Landschaftszeichnungen".
Wissenschaftliche Illustrationen — Geologische Querschnitte, Mineralientafeln, botanische Bestimmungstafeln, ornithologische Darstellungen sowie Lebensbilder ausgestorbener Tiere für Fachpublikationen und Museen. In ihnen verbindet sich wissenschaftliche Genauigkeit mit künstlerischem Ausdruck.
Das Zumsteinhaus
Scholz war maßgeblich am Aufbau der naturkundlichen Sammlungen im Kemptener Zumsteinhaus beteiligt. 1975 eröffnete er dort die Reisersammlung als geologische Abteilung (die leider 2017 geschlossen wurde) neu — ein Zeugnis seiner Verbindung von Wissensvermittlung und gestalterischem Anspruch.
Naturschutz
Als einer der frühen Naturschützer im Allgäu, lange vor dem Auftreten der Grünen, setzte sich Scholz über Jahrzehnte für den Erhalt der Landschaft ein — ein „sachlicher, aber unbestechlicher und leidenschaftlicher Streiter", wie ihn Weggefährten nannten. Für sein Engagement erhielt er die Bayerische Umweltmedaille.
Udo Scholz verstarb nach langjähriger Krankheit 1989 in Kempten im Allgäu.
„Natur und Kunst waren ihm eine Einheit."
Dieser Satz trifft sein Lebenswerk am besten. In allem, was er tat — als Maler, als Lehrer, als Naturkundler — strebte er danach, die Schönheit und Ordnung der Natur sichtbar zu machen.